Ein gescheiterter Versuch, Vorurteile abzubauen

Immer wieder habe ich erlebt, wieviel man sich selbst vorenthält, wenn man auf seinen vorschnell gefällten Urteilen beharrt. Daher versuche ich hin und wieder dem einen oder anderen Vorurteil, das ich hege, entgegenzuwirken. Jüngstes Beispiel dafür waren meine Reisen im Oktober. Der Kurztrip zu meiner Schwester nach Warschau zeigte mir erfreulicherweise, wie schön Polen eigentlich sein kann. Jahre vorher schon hatten mich die wenigen Tage an der polnischen Ostsee und in Danzig dazu gebracht, Polen nicht nur mit "Polenmarkt" gleichzusetzen.
Um so erfreuter sagte ich ja, als mir das Reisebüro zum wiederholten Male einen Flug nach Indien anbot, der einen Zwischenstop in Moskau vorsah. Moskau. Russland. Damit assoziiere ich grau, kalt und verlorene Einsamkeit. Warum das so ist, lässt sich kaum beantworten. Zwar kennt man die Redewendung, dass man nach Sibirien geschickt werde, wo es bekanntlich einsam und kalt sein soll. Aber ob das wirklich zutrifft – zumal auf das ganze Land – das konnte ich bisher nicht herausfinden. Russland ist ein großes Land, der Kalte Krieg ist vorbei. Möglicherweise ist es dort ja auch wie hier. Ich erinnere mich, schon mal Bilder von Moskau gesehen zu haben, wo Blumen blühten. Und überhaupt, die Menschen können doch nicht so anders sein.


Eigentlich eine gute Idee: Mal schnell nach Indien fliegen und so. Was wir nicht bedacht hatten: Mit Aeroflot ist nicht gut ankommen. Pünktlichkeit, Freundlichkeit, Service? Also bitte! Doch nicht für 640 Euro. Da hätten wa schon mehr zahlen müssen ...

Dachte ich, und buchte den Flug mit Aeroflot. In einem extravaganten Anfall hatte ich beschlossen, Geld rauszuschmeißen und für ganze 12 Tage nach Delhi zu fliegen, um dort Bücher für meine Abschlussarbeit zu kaufen. Logisch kann man sowas heute auch per Internet erledigen, aber – wie gesagt – der extravagante Anfall ...
So sollte es nun losgehen: Marko und ich trudelten also pünktlich am Sonntagmorgen um 8:30 Uhr, über eine Stunde vor dem Abflugtermin (9:45 Uhr) am Check-in-Schalter (seit 7:45 offen) in Berlin-Schönefeld ein und lasen zunächst die Anzeige "delayed". Dabei denkt man sich ja erstmal nichts. Aber nachdem sich die Warteschlange über eine Stunde lang keinen Schritt bewegte, wurde einem schon mulmig. Schließlich erschien um 10 Uhr (also nach dem Abflugtermin!!!) eine Frau am Ende der Schlange, die unsicher mitteilte, das check-in werde unterbrochen, da die Maschine aus und nach Moskau nicht mehr komme. Sie befinde sich genaugenommen noch in Moskau. Man wisse auch nicht, wann die nächste Maschine käme, vielleicht um 14 oder 15 Uhr oder so. Und wie gut es doch sei, dass hier alle Deutsch verstünden, denn Russisch beherrsche sie nicht.
Hm?! Naja, abgesehen von den durchaus vorhandenen russischen Reisenden ... Jedenfalls bot sie uns an, Essens-Voucher im Wert von 15 Euro zu holen, und wir sollten doch bitte zum Aeroflot-Schalter gehen und auf weitere Ansagen warten. – Warten, diese Aufforderung erhielten wir noch viele Male ...
Die Frau am Aeroflot-Schalter war erstaunlich gelassen ob dieser Hiobs-Botschaft und suchte sorgsam nach Ersatzflügen für uns. Zwischenzeitlich kam die Ansagefrau wieder vorbei und erklärte, dass alle, die nur nach Moskau wollen, jetzt bitte doch einchecken sollen. Diese Leute sollten dann bitte warten (!) bis irgendwann nachmittags mal die Maschine nach Moskau kommt. Für alle Leute mit Anschlussflug blieb weiterhin nur das Warten auf ein persönliches Gespräch mit der (einen!) Aeroflot-Mitarbeiterin, in dem man herausfinden sollte, ob man mit der Nachmittagsmaschine einen Anschlussflug erreichen könne.
Für uns eröffnete sich diese Option nicht. Denn – wie sie sagte – selbst wenn die Maschine um 14 oder 15 Uhr oder so pünktlich wäre, wären wir dennoch etwa 15 Minuten zu spät in Moskau. Den Anschlussflug nach Delhi würden wir in keinem Fall schaffen. Warum die Maschine jetzt noch nicht da sei? Äh ..., die stünde noch in Moskau und sei kaputt ... Und da fing mein Gehirn das erste Mal an, nachzurechnen: Die Maschine aus Moskau braucht 2,5 h nach Berlin und sollte um 9:45 Uhr hier losfliegen, hätte also spätestens 9:15 Uhr in Berlin landen müssen, um im Zeitplan zu bleiben. Das heißt, sie hätte ungefähr um 6:45 Uhr dt. Zeit (8:45 Moskauer Zeit) in Moskau starten müssen. Dass sie scheinbar nicht gestartet ist und daher nicht nur "delayed" ist, sondern gar nicht kommt, erfuhren wir gegen 10 Uhr. Da fragt man sich schon, wieso die zuständigen Leute nicht einfach früher (also vor 3 Stunden) das Telefon benutzt haben, um mitzuteilen, dass die Maschine übrigens noch immer in Moskau steht.
Jedenfalls stand nun fest: Wir kommen heute nicht mehr nach Delhi. Und morgen? Nein, der 9:45 Uhr-Flug am Montag war leider komplett ausgebucht. Ich war entnervt. Wie gesagt, der Indien-Trip hatte insgesamt nur 12 Tage, sollten jetzt etwa noch weniger daraus werden – nur weil die Airline rumeiert? Naja, es gäbe da ja noch den dritten der drei täglichen Flüge nach Moskau. Also stimmten wir notgedrungen zu, den Flug um 1 Uhr nachts zu nehmen und dann halt gaaaaaaaaaaanz lange (ca. 12 Stunden) in Moskau auf den Anschluss um 17:25 Uhr (immerhin 2 Stunden früher als der Sonntags-Anschlussflug gewesen wäre) zu warten. Ursprünglich waren für den Moskau-Stop schon 5 Stunden eingeplant, aber nun sollten es wohl doch mehr werden. Ich fragte, ob uns Aeroflot denn ein Hotel stellen würde. Nein, erstens gebe es am Flughafen kein Hotel und zweitens dürften wir nicht aus dem Flughafen raus, weil man dafür ja ein Visum braucht, dass wir nicht hatten – wofür auch, wir wollten ja nach Indien. Ein Mitreisender meinte noch, Moskau sei kürzlich zum schlimmsten Flughafen der Welt gewählt worden. Aber ich beharrte darauf, dass ich meine Vorurteile abbauen will.
Um 10:30 Uhr waren wir dann also erstmal fertig mit dem Verreisen. Also fuhren wir wieder heim und verbrachten den restlichen Sonntag leicht übermüdet, weil wir ja schon seit 6 Uhr wach waren, in Brandenburg, gingen im Herbst spazieren. Nachts um 23:15 Uhr waren wir erneut am Flughafen (check in seit 23 Uhr) und die Anzeige sagte: "delayed". Die Aeroflot-Frau von morgens, die noch bis 1:30 Uhr weiterarbeiten sollte (also eine 24h-Schicht ...), gestand, dass die Maschine noch immer in Moskau stünde – aufgrund von Wetterbedingungen (Schnee). Wir erfuhren auch, dass wir die 15-Euro-Essensgutscheine, die Aeroflot morgens angeboten hatte, jetzt nicht mehr abholen konnten ... Morgens hatten wir sie nicht abgeholt, weil wir davon ausgegangen waren, dass wir abends nicht nochmal warten müssen – ein teurer Trugschluss bei 3,40 Euro für einen frischen Orangensaft ...
Also taten wir, was die Anzeige uns riet: "Bitte warten / please wait". Als wir eine Stunde später nochmal nachfragten, erklärte uns die Aeroflot-Frau, die Maschine sei zwar schon in der Luft, würde aber eine halbe Stunde später von Berlin starten. Naja, im Endeffekt landete die Maschine um 1:50 Uhr (50 Minuten nach dem offiziellen Starttermin) und das Boarding begann gegen 2:40 Uhr. Wir flogen dann also gegen 3 Uhr nachts los, nachdem wir ganze 4 Stunden gewartet hatten. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal zusammenfassend daran erinnern, dass wir nun schon seit fast 24 Stunden versuchten, nach Indien zu kommen. Ein Flug von Deutschland nach Delhi dauert im Normalfall insgesamt etwa 10 Stunden, wir waren nach 22 Stunden endlich dabei, Berlin zu verlassen.
Tatsächlich kamen wir ohne größere Probleme (Absturz, Sauerstoffverlust, kein veg-Essen) in Moskau an und stellten fest: Es ist kalt, es schneit und der Himmel ist grau. Hm. Das entsprach genau meinen Vorurteilen, aber naja. Und? Schon gelangweilt von dieser Geschichte? Ja, das waren wir auch, denn Unterhaltungs- und Ablenkungsprogramme gab es weder in der Aeroflotmaschine, noch auf dem Flughafen Moskau.
Es war 7 Uhr morgens Ortszeit. Wir waren nun nach ca. 24 Stunden immerhin bis Moskau vorgedrungen. Und wir waren müde. Zunächst mussten wir aber den Weg vom Ankunftsterminal zum nächsten Abflugsterminal finden und dazu, dachte ich, kann man ja mal einen Flughafenmitarbeiter fragen. Die Frau verstand kein Wort Englisch und sprach auch keins. Also blickte sie nur ratlos ihre Kollegin an, die dann auf Russisch irgendwas erklärte. Und jetzt gab mir die erste Frau mit Gesten zu verstehen, dass wir ihr folgen sollen. Als wir an dem großen Departure-Board ankamen, war ich erstmal geschockt, denn dort stand alles nur auf Kyrillisch drauf. Zum Glück schaltete die Anzeige aber kurz danach auf lateinische Schrift um. Gott sei Dank. Andererseits: Delhi stand noch nicht dran. Aber daran störten wir uns vorerst nicht, denn offenbar wurden nur Flüge innerhalb der nächsten 3 Stunden angezeigt. Unser Flug dagegen ging um 17:25 Uhr, also in *an die Armbanduhr schau* ca. 10 Stunden ...


Hinter mir die Aeroflot-Warte-Lounge im aktuellen Penner-Style. Conny dazu: "Das sind eben russische Verhältnisse. Du musst Dir das schönreden und Dich anpassen."
Nun ja, erstmal einen Schlafplatz suchen. Wie bekannt gab es hier auf dem Flughafen weder für uns noch für irgendwen eine Art Hotel. Daher war mir klar, dass wir nach gepolsterten Stühlen und Sofas Ausschau hielten. Die wenigen tatsächlich gepolsterten, die es gab, hatten die reisenden Inder bereits besetzt. Allen anderen fehlte entweder der komplette Bezug oder die Sitz-/Liegefläche war aus (teilweise stark verbogenem) Metall, während nur die Rückenlehne geistreicherweise noch gepolstert war. Für einen geübten Low-Budget-Indien-Reisenden wie mich war das Ganze langsam an der Schmerzgrenze, für den Neuling Marko bedeutete diese Situation Frustration und Heimweh.

Immer tapfer bleiben.

Nachdem ich 2 Stunden auf Markos Schoß geschlafen hatte, wollte ich ihm ein komfortableres "Bett" bieten. Daher schritten wir den oberen Terminal-Rundlauf ab und trafen auf unzählige weitere Reisende verschiedener Reiseklassen. Sie alle einte aber das stundelange Warten-Müssen, der Schlafmangel und die Art des Bettes. Irgendwoher hatten sie sich alte Pappkartons besorgt, die sie auf den eiskalten gefliesten Flughafenboden gelegt hatten. Über ihnen aus dem Flugzeug geklaute Aeroflotdecken, die sie vor der unglaublich kalt eingestellten A/C-Luft schützen sollte. Marko weigerte sich kurz, "wie ein Penner" schlafen zu sollen, aber seine Müdigkeit siegte dann doch. Und was sollten wir auch sonst tun, um die Zeit totzuschlagen???
Das Entertainment-Programm des Flughafens Moskau besteht im Wesentlichen aus der Duty-Free-Straße, in der man bei zahllosen Russisch sprechenden Damen diverses Parfum, Make-up und anderen Schnick-Schnack kaufen kann. Abgesehen von dem klassischen Kosmetikladen-Duft ist diese kleine Einkaufsmeile auch der einzig warme Ort des Flughafen. Heizkörper entlang der Fensterfronten, auf denen man hätte sitzen und hinaus sehen können, um zu beobachten, was draußen passierte, gab es nicht. Was man sonst noch unternehmen kann, wenn man an Duty-Free nicht interessiert ist? Hm. Bei den Essens-Ständen überteuerte Getränke erwerben, ein Restaurant suchen, dass auch eine Speisekarte in lateinischer Schrift und englischer Sprache anbietet oder eine Toilette suchen, auf der das Papier noch nicht alle ist.

Wir verbrachten unsere Zeit auch damit, hin und wieder nachzusehen, ob der Delhi-Flug schon angezeigt wird, denn mittlerweile war es 14 Uhr und es wurde doch langsam aber sicher nervtötend, hier zu sein. Es wurden auch tatsächlich Flüge für 16:45 Uhr und 17 Uhr angezeigt. Unser Flug sollte laut Boarding Pass aber schon um 16:30 Uhr Boarding haben, war aber natürlich nicht dabei. Also fragte ich die Dame beim "Transit Office", die tatsächlich Englisch sprach. Ihre Auskunft: "If the flight is not shown on the board, then it is late. Please wait here." Danke. "Here" bedeutete vor einem Irish Pub stehend ein Board anzustarren. Ich zog es vor, doch lieber alle 15 Minuten mal vorbeizuschauen. Es wurde später und später. Mittlerweile stellte sich uns die Frage, ob wir hier jemals wieder wegkommen würden, oder ob es sich abspielen würde wie in dem Film "Terminal" mit Tom Hanks. Das Faszinierende hier in Moskau war wie auch schon in Berlin-Schönefeld, dass andere Airlines die Verspätung ihrer Maschinen durchsagten, was für Aeroflot-Flüge nicht der Fall war. Wir spekulierten schon, ob vielleicht nur die angesagt werden, die pünktlich landen und abfliegen...
Demzufolge wurde unser Flug auch nicht angesagt, als er dann um 15 Uhr doch mal angezeigt wurde: 17:10 Uhr Delhi - Gate 13. Die Verwirrung daran ist faszinierend. Laut Berliner Aeroflot-Frau sollte der Flug um 17:25 Uhr gehen, nun aber doch schon um 17:10 Uhr. Das hieße ja Aeroflot ist mal pünktlich. Um 16:10 Uhr wurde dann auch tatsächlich auf dem Fernseher an Gate 13 unser Delhi-Flug angekündigt. Geplantes Boarding: 16:45 Uhr. Und da war sie wieder die Verspätung. Bei der üblen Ausschilderung auf dem Moskauer Flughafen musste man aber genau hinsehen, um die gewünschte Information zu erhalten, denn am Eingang zu den Gates 9-13 stand nichts von Delhi, nur am Gate 13 selbst, dass man viel weiter rechts durch eine Glasscheibe sehen konnte.
Während wir dann also ab 16:15 Uhr vor dem Gate 13 auf das Boarding warteten, beobachteten wir interessiert, wie nebenan bei Gate 12 schon seit Stunden eine Maschine nach Berlin stand, die offiziell bereits um 15:35 Uhr gestartet war. Diese Maschine hatten wir kurzzeitig ins Auge gefasst, als uns der Flughafen und das Warten so angekotzt hatten, dass man ernsthaft überlegte, sich den Indien-Trip zu knicken. Offenbar hätte das nichts gebracht ...
Während des Wartens am Gate trafen wir bekannte Gesichter aus Berlin wieder. Ein Pärchen hatte sich von der Aeroflot-Frau in Berlin überreden lassen, auf die "14 oder 15 Uhr oder so"-Maschine am Sonntag zu warten und war mit dem falschen Versprechen, ein Hotel gestellt zu bekommen, bereits vor etwa 24 Stunden hier auf diesen wunderschönen Flughafen gelockt worden. Zudem, so erzählten sie, sei die Maschine von Sonntagmorgen bereits in Moskau gestartet gewesen, dann aber wieder umgedreht, weil sie kaputt war. Was genau, wurde nicht gesagt.



So schön kann Warten sein ...
16:45 Uhr – alles wurde unruhig, denn jetzt sollte es endlich das Boarding geben. Die Stewardessen hinter ihrer Glasscheibe würdigten uns keines Blickes. Draußen bei der Maschine konnte man stattdessen beobachten, wie doch tatsächlich mal Dinge in das Flugzeug geladen wurden. Dabei stellten sich die Arbeiter derart bescheuert an, dass die Vermutung nahe lag, sie hätten vorher noch nie einen Nahrungscontainer in ein Aeroflot-Flugzeug bugsiert. Faszierend war das Ganze für mich auch, weil die Maschine, die schon gegen 14 Uhr gelandet war, stundenlang nicht für den Abflug vorbereitet worden war. Das hatte man beobachten können. Erst jetzt zum Boarding sollte wohl auch das Gepäck das Flugzeug betreten (Terror-Abwehr?).
Um 17:07 Uhr kamen die Stewardessen dann doch mal hinter ihrer Glaswand hervor und sagten ohne Blickkontakt zu den vorne stehenden Passagieren: "Thirty". Sprach's und ging. Hm. Was sollte das bedeuten? Offenbar wollte man uns irgendwie unwillig mitteilen, dass sich das Boarding um 30 Minuten verzögern wird. Wir bitten um Verständnis? Nein. Es gab keine derartige oder überhaupt eine Durchsage. Wir sind doch bloß die blöden Passagiere. Wieso sollte man uns irgendwelche freundlichen Informationen mitteilen. Die hinten Wartenden hatten nicht mal das Thirty gehört und wurden nun per "Stille Post" von uns informiert. Diese Art und Weise mit Kunden umzugehen, erlebten wir nun schon über einen Tag und der Groll auf Aeroflot wuchs ins Unermessliche.
Es wird niemanden überraschen, der aufmerksam bis hierher gelesen hat, dass das verspätete Boarding auch nach 30 Minuten noch nicht stattfand. Sollte ich erwähnen, dass es im Boarding-Wartebereich nur 20 Sitze für etwa 100 entnervte Passagiere gab? Darüber tröstete auch die beiseitige Bepolsterung nicht hinweg. Nun ja, um 17:45 Uhr versuchte eine Stewardess das Boarding zu beginnen und wollte dazu den Computer hochfahren. Warum sie ihn nicht schon eher angeschaltet hatte? Keine Ahnung. Weil die paar Minuten den Kohl ja nun auch nicht mehr fett machen? Der PC jedenfalls fuhr nicht hoch. Auch die mitfühlenden Blicke von zwei Kollegen halfen nicht. Man entschied sich dann dafür, die Boardkarten manuell abzureißen. Wir bestiegen das Flugzeug und schliefen erstmal eine Runde. Als ich wieder aufwachte, stand die Maschine noch immer am Gate. Ich schlief wieder ein und wachte wieder auf und wir standen noch immer da. Ein Blick auf die Uhr, als wir dann doch mal starteten, zeigte, dass wir um 20 Uhr endlich losflogen.
Warum es so lange gedauert hatte? Nun ja, der Wintereinbruch hatte den Moskauer Flughafen offenbar überfordert. Das erstaunt mich aber, denn eigentlich müsste man es hier doch gewohnt sein, mit diesen Wetterbedingungen umzugehen.

Was soll mir diese Geschichte sagen? Ich baue zwar gerne Vorurteile ab und werde es auch weiterhin versuchen. Aeroflot hat es aber eindeutig versaut und färbt leider, leider auf mein Bild von Moskau und Russland ab. Dem Land würde ich eventuell noch mal eine Chance geben, mir zu beweisen, dass nicht alle Menschen dort unfreundlich sind. Aber die Airline werde ich auf ewig meiden. Marko und ich waren daher gerne bereit, den Rückflug mit Aeroflot verfallen zu lassen. Wir wollten nicht noch einmal 48 Stunden unterwegs sein. Wir flogen mit Lufthansa zurück und waren erstaunt über das Fernsehprogramm an Bord (Simpsons - der Film), über die freundlichen Stewards, die sogar die Sicherheitsbestimmungen fröhlich demonstrierten, über all die Durchsagen. Und als der Captain durchsagte, wir würden 10 Minuten eher als geplant in Frankfurt landen, da ging uns ein Lächeln übers Gesicht.


Nochmal zum Nachvollziehen: die gebuchte, die umgebuchte und die reale Reisezeit
14.10. 09:45 ab Berlin
14:25 an Moskau
19:25 ab Moskau
02:25 an Delhi
15.10. 01:00 ab Berlin
05:30 an Moskau
17:25 ab Moskau
00:25 an Delhi
15.10. 03:00 ab Berlin
07:00 an Moskau
20:00 ab Moskau
03:00 an Delhi
– gea –
(November 2007)